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Caracou und die Magie des Gypsyjazz: die Band spielt wieder live Musik in Dresden

Sabrina Serdino 

 

 

Ihre Musik bringt das Publikum in Schwung: Caracou aus Dresden spielt den zeitlosen Rhythmus von Gypsyjazz und Chanson wieder live und lässt die Gedanken fliegen. Wer möchte magische Momente erleben?

 

Ein frischer Duft von Holz und Wein liegt in der Luft. Fünf lächelnde Gesichter ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Ihr Blick verrät gleichzeitig Aufregung und Konzentration. Die Hände stimmen die Instrumente ein letztes Mal. Die Füße geben den Rhythmus vor. Die Stimme ist aufgewärmt. Es geht los.

 

Dieses Bild hat man im Kopf wenn man an die Dresdner Band Caracou vor einer Probe oder vor einem Auftritt denkt. Sie besteht aus einer Sängerin, zwei Gitarristen, einem Violinist und einem Kontrabassisten. Jana, Klaus, Frank, Gunther und Chris haben unterschiedliche Charakter und trotzdem so viel gemeinsam: langjährige Spielerfahrung, musikalisches Studium und vor allem die Liebe zur akustischen Musik, insbesondere zum Gypsyjazz.

 

Chanson und Gypsy Jazz sind mit Caracou keine Nischenmusik mehr

 

Was würde Django Reinhardt über Caracou sagen? Die Gruppe hat zwar keine Sinti Hintergründe. Sie spielt aber mit großer Leidenschaft und Professionalität auch nicht typische Stücke im Gypsyjazz Gewand. Caracou macht die Genres Chanson, Manouche und Gypsy Swing einem breiterem Publikum zugänglich und unterhaltsam. Kaum werden die ersten Noten gespielt, wird man unmittelbar zum Tanzen animiert.

Musik zum Hören, zum Singen und zum Tanzen: Seit 2019 bietet Caracou das ganze Paket bei jedem Auftritt an. Innerhalb und außerhalb der Stadt Dresden. Die neu gegründete Band hatte für 2020 ein volles Programm: Konzerte, Auftritte bei großen (Musik-)Veranstaltungen, Video- und Albumaufnahme.

 

Mit Sympathie und Professionalität bringt Caracou Gypsyjazz einem breiteren Publikum näher                                                                                                                       ©Caracou                                                                                                   

 

Als das Unvorhergesehene die Pläne änderte

Aber wenige Monate nach der Gründung wurden alle Veranstaltungen abgesagt, Theater und Konzertsäle wurden geschlossen. Die Corona-Pandemie hat sich schnell in ganz Europa und in Deutschland verbreitet. Künstler, die sonst ihren Unterhalt mit dem Verdienst von live Auftritten bestreiten, standen plötzlich vor großen Herausforderungen.

 

Manche haben Unterstützung von der Stadt bekommen und mussten trotzdem auf Erspartes zurückgreifen. Bandmitglieder mit einer Nebentätigkeit wurden von Corona sogar doppelt betroffen: Die Schließung von Schulen, Läden und Lokalen hat ihre alltägliche Routine unterbrochen und ihren Verdienst unterschiedlich reduziert.

 

Musik im HomeOffice

Den Anfang ihrer Karriere hat Caracou sich anders vorgestellt. Dennoch haben die Künstler die Corona-Maßnahmen schnellstmöglich umgesetzt und lösungsorientiert weiter gearbeitet. Wochenlang haben Besprechungen ausschließlich online stattgefunden. Jeder hat zu Hause fleißig geübt, sich aufgenommen und die Aufnahme den anderen per Mail oder Handy geschickt. Ein lächelndes Emoji war in diesen Nachrichten immer dabei!

 

Spieltermine wurden nach hinten verschoben und die Gruppe hat ein neues Datum für den Videodreh des Stückes “It ́s all right with me” festgelegt. Darauf hatte sie sich besonders gefreut. Ursprünglich war der Dreh im März 2020 geplant, fand dann im Oktober 2020 in Zoras Carte-Blanche-Theater statt.

 

Das Video It ́s all right with me wurde während des Lockdowns gedreht                                                                                                                                                               ©Caracou                                                                        

 

Trotz Herausforderungen wurde das Video im Lockdown gedreht

Die Besetzung wurde auf elf Personen reduziert: fünf Caracou-Mitglieder, zwei Schauspieler und ein vierköpfiges Drehteam (Regisseurin, Art Directorin, Tontechniker und Kameramann). Zwei Tage lang haben alle für eine reibungslose und professionelle Zusammenarbeit gesorgt und die aktuellen Hygienemaßnahmen respektiert.

 

Das Ergebnis ist ein über sechs minütiges Kinoerlebnis, das man jederzeit auf YouTube finden kann. Das Video wurde sogar im Rahmen der Aktion "Kultur digital" von So geht ́s sächsisch gefördert und die Premiere hat am 31.01.2021 stattgefunden. Die Aufrufe steigen immer weiter und Caracou freut sich über die Unterstützung ihrer Fans.

 

Kompromissbereit, um wieder zusammen musizieren zu können

Mit den Lockerungen darf man sich wieder in kleiner Runde treffen. Bei der Probe sind Abstand und Mundschutz unabdingbar. “Solange wir in Echt miteinander üben können, stellen die Corona-Maßnahmen nur einen kleinen Kompromiss dar” sagt Frank, Gitarrist und Bindeglied des Kollektivs. Er hat die fünf zum zusammen Musikmachen gebracht.

 

Zum ersten Mal nach vielen Monaten tritt Caracou am Elbufer an der Albertbrücke im Rahmen der Versammlung für die Kultur wieder auf. “Es ist schön, die Aufregung vor dem Auftritt wieder zu spüren” meint Jana, Stimme und Moderatorin der Band. Unter einem kleinen Pavillon spielen sie endlich wieder live für ihr Publikum.

 

Caracou durfte am 06.06.2021 nach anderthalb Jahren wieder live auftreten                                                                                                                                                         ©Caracou                                                                        

 

Die Magie der Live Musik kann man endlich wieder erleben

Viele Zuschauer haben den Termin vorher in den sozialen Medien der Band mitbekommen. Am 06.06.2021 um 16:00 Uhr kommen sie pünktlich zum Treffpunkt. Die Anderen gehen an der Elbe spazieren und hören zufälligerweise die Musik von Caracou. Der Gypsy Jazz Rhythmus und die Stimme von Jana klingen so einladend, dass man bis zum letzten Lied vor der Bühne stehen bleibt.

 

Ein frischer Duft von Holz und Wein liegt an diesem sonnigen Nachmittag in der Luft. Sogar die Sonne hat sich nach wochenlangem grauen Wetter raus getraut. Der Kopf folgt dem Rhythmus und neigt nach rechts und nach links. Die Augen sind zu. Fünf Herzen schlagen im gleichen Takt voller Freude und eine gemütliche Stimmung breitet sich in jede Richtung aus.

 

Das hat Caracou sehr vermisst, denn live Spielen macht der Gruppe und ihren Zuhörer am meisten Spaß.

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